Zwischen Instinkt und Vernunft
ist jedes Handeln - privat wie geschäftlich -
Ethik unterworfen

K5 - Information 1 l 2020

Den Menschen ist vielfach der Respekt vor der Schöpfung abhandengekommen.
Nicht im Egoismus und im Schielen nach den eigenen Vorteilen liegt die Kraft.
Im Zusammenhalt liegt die Kraft.
Wenn wir miteinander arbeiten, dann ist die Wende möglich.
Im Folgenden werfen wir einen Blick auf die Klimafrage.

 

Respekt vor der Schöpfung
 

Ein Übersetzungsfehler führte zu einem der größten Missverständnisse in der Geschichte der christlichen Kirchen. In der Schöpfungsgeschichte, dem 1. Buch Mose, heißt es: “Macht euch die Erde untertan.“ Entsprechend überheblich haben sich Hunderte von Generationen aufgeführt. Heute stehen wir vor dem Ergebnis der angeblich göttlich verordneten Gier und Ausbeutung. Wir Menschen haben die Erde geschunden. Das Heulen und Zähneknirschen ist groß angesichts der unübersehbaren Folgen der Plünderung.
Eigentlich hätte die Übersetzung vom Aramäischen ins Griechische sinngemäß lauten müssen: „Macht die Erde urbar und kümmert euch um sie, pflegt und hegt sie, passt auf sie auf!“
Im Namen des biblischen Unterwerfungsgebots ist jedoch das Gegenteil passiert. Wir pumpen schädliche Abgase in die Luft, wir vergeuden und verseuchen unser sauberes Wasser, wir betonieren die Landschaften zu, auf dass sie nicht mehr atmen können, wir roden die Urwälder, wir produzieren Lebensmittel in Überfluss, werfen sie wieder weg und sehen zu, wie Millionen verhungern, wir fischen die Meere leer, wir vergiften die Erde, um an ihre Schätze heranzukommen, wir setzen auf lebensgefährliche Atomenergie, wir rotten mit unserem Verhalten Tausende Pflanzen- und Tierarten aus, wir vertrocknen den Boden und verwüsten ihn buchstäblich und treiben damit die Menschen dort in die Flucht. Wenn sie sich dann auf die Suche nach einem neuen lebenswerten Unterschlupf machen, begegnen wir ihnen – mit wenigen Ausnahmen – abweisend.
Papst Franziskus hat in seiner Enzyklika „Laudato si“ mit aller Vehemenz die Umweltsünden unserer Gesellschaft angeprangert. Er sieht den Ausweg nicht im alleinigen staatlichen Umweltgebot, wie es viele verlangen. Er mahnt den Beitrag jedes Einzelnen ein.
Er setzt auf den inneren Wandel. Auf die Bereitschaft der Menschen zur Besinnung auf Werte, die aber nicht immer gelebt werden: Liebe, Friede, Demut, Bescheidenheit, Achtung vor der Schöpfung. Er sieht die Rettung der Erde als eine globale Aufgabe der globalen Bürgergemeinschaft, an der sich alle beteiligen müssen.
Eigentlich geschieht der Wachstumsprozess „ganz von selbst.“ Ganz von selbst lässt der Boden die Pflanzen wachsen und Frucht bringen. Sobald das Korn reif ist, fängt der Bauer zu mähen an; dann ist Erntezeit.
In unserer Welt leben wir nach den Prinzipien des Vorantreibens, des Machens, des Müssens. Nichts darf dem Zufall überlassen werden, alles unterliegt dem Willen des Menschen, der sich schrittweise zur Allmächtigkeit aufschwingt.
Die Entwicklung unseres Klimas zeigt uns auf, wie absurd diese Allmachtsfantasien sind. Wir können die Erde nicht retten und für die nächsten Generationen lebenswert erhalten, wenn wir weiterhin nur an technische Lösungen glauben. Wir brauchen dazu auch die innere Umkehr, den Willen zur Veränderung und den Glauben daran, dass wir es besser machen können. Die Mischung  aus staatlichen Rahmenbedingungen, technischen Möglichkeiten und individuellem Engagement kann uns aus der Sackgasse führen.