Zwischen Instinkt und Vernunft
ist jedes Handeln - privat wie geschäftlich -
Ethik unterworfen

K5-Information 3 l 2019

Der Mann protzt und übertreibt häufig bei der Beschreibung seines Autos und bei seiner beruflichen Stellung.
Frauen lügen vorzugsweise beim Gewicht und beim Alter.
Auch Kinder lügen schon: „Im Alter von drei bis fünf Jahren beginnen Kinder zu verstehen, dass man andere mit falscher Evidenz, mit falschen Aussagen manipulieren kann“, sagt der Psychologe Josef Perner vom Zentrum für Kognitive Neurowissenschaft der Universität Salzburg.

Das Thema „Wahrheit in der Krise?“ beleuchten wir im folgenden Brief.

 

Wahrheit in der Krise?

Konsequent ehrlich sein fällt im Alltag schwer. Das Dilemma beginnt schon bei der typischen Smalltalk-Frage auf der Straße oder in der Arbeit: „Wie geht´s dir?“
Ehrlicherweise müsste man dann auch Antworten hören wie: „Ich bin stinksauer!“ „Mir gehen alle auf die Nerven!“  „Ich habe Blähungen!“ „Mich plagen Regelbeschwerden.“
Stattdessen folgt meist der immer gleiche Stehsatz:
„Gut, danke. Und dir?“
„Auch gut, danke!“
Wäre letztere Aussage wahr, so ginge es allen Menschen ständig gut. Dem ist aber nicht so. Doch statt die Dinge beim Namen zu nennen, schwindeln wir uns lieber mit einer Hohlfloskel durch den Tag.  Schließlich würde eine ehrliche, vollständige Antwort nur weitere Fragen provozieren und unangenehme Debatten über mentale Befindlichkeiten, Verdauungsprobleme oder Ähnliches auslösen.
Die ganze Wahrheit auszusprechen wäre aber nicht nur oft peinlich. Wer gnadenlos ausspräche, was er sich denkt (Du siehst heute wieder alt aus!“), würde sich schnell isolieren und unbeliebt machen.
Gelogen wird aus Scham, aus Bequemlichkeit, aus Höflichkeit, aber auch aus Angst oder Unsicherheit („Notlüge“). Man lügt, um einen Vorteil zu erlangen oder anderen zu schaden, manche lügen zwanghaft, andere lügen zum Spaß.

Es gibt Meldungen über Studien, wonach die Menschen bis zu 200 Mal am Tag lügen. Wobei sich die Frage stellt, wie die Lüge definiert wird und ab wann diese beginnt. Was man weiß, ist, dass Männer öfter lügen als Frauen. Bei Männern sind es 42 Prozent, bei den Frauen 38 Prozent. Das ergab eine Auswertung von 565 Experimenten mit mehr als 44.000 Teilnehmern durch das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und das Technion Israel Institut of Technology. Einer der beteiligten Forscher, Philipp Gerlach von der Hochschule für Management, Wirtschaft & Medien in Hamburg bringt die Unterscheidung ein von vergleichsweise harmlosen „weißen Lügen“, die unter die Kategorie „schwindeln“ fallen, und betrügerischen „schwarzen Lügen“ zulasten anderer – wenn es etwa um Vorteile bei Geschäften geht. Frauen sind bei den „weißen Lügen“ aktiver, bei den „schwarzen Lügen“ sind die Männer vorn.
Am Beginn von echten Lügen stehen meist kleinere Schwindeleien, an die man sich später gewöhnt. So werden aus kleinen schließlich große Lügen. Wenn der Ruf nicht gefährdet werde, gebe es auch weniger Hemmungen, sagt der Forscher Gerlach. „Es fällt uns daher sicher leichter, über das angeblich anonyme Internet zu lügen, als von Angesicht zu Angesicht.“

Es ist wichtig,  zwischen einer Unwahrheit und einer Lüge zu unterscheiden. Eine Unwahrheit ist erst dann eine Lüge, wenn sie (1.) zu dem gesagt wird, der ein Recht hat, die Wahrheit zu hören,  wenn sie (2.) niederträchtig ausgesprochen wird und wenn sie (3.) Schaden stiftet.