Zwischen Instinkt und Vernunft
ist jedes Handeln - privat wie geschäftlich -
Ethik unterworfen

K5 - Information 2 l 2022

Warum tun manche Menschen so viel, um Macht zu erringen?
Im Kern, weil sie Narzissten sind. So wie sehr viele von uns.
Die Vernunft, die ein wesentlicher Aspekt von Ethik ist, bleibt dabei auf der Strecke.
Dieses Thema beleuchten wir in unserem Brief.
 

Vernunft ist verdrängt von Machtgier


„Wenn ihr scharfsinnig wäret unter euch – ihr würdet friedlich leben miteinander“  -  es ist ein Spruch des Bedauerns von Jesus an seine Zuhörer. Kürzer als mit ihm lässt sich das Hauptproblem, das die Menschen seit Urzeiten miteinander haben, nicht in Worte fassen.
Irgendwer erkühnte sich einmal, den Menschen als Art  Homo sapiens zu nennen. Sapiens = wissend, vernünftig, berechenbar;  
asapiens= unwissend, unvernünftig, unberechenbar.

Dazu findet sich im Fremdwörterbuch die Begriffserklärung: „der mit Vernunft begabte Mensch;  Artbegriff für die ganze heute lebende Menschheit“. Dem aber widerspricht es, dass das Wort Vernunft in einem deutschen Wörterbuch so erklärt wird: „Fähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen und sich innerhalb dieser Zusammenhänge zweckvoll zu betätigen.“ Denn, wenn diese Beschreibung zutreffend wäre, dann muss die voranstehende Begriffserklärung unzutreffend sein. Warum? Weil der Artbegriff  Homo sapiens dann nur für eine Minderheit seltener Ausnahmemenschen gelten dürfte.
Denn die Droge, die den Geist vieler Menschen benebelt, ist stets  dieselbe: Machtgier, Neid, Eifersucht, Manipulation, Rechthaberei, Kontrollwahn, Lügen …
Die Sucht, über andere zu herrschen, ist  überwältigend, vor allem, wenn sie  in Kriege ausartet. Hinter der Machtgier können wir einen ungesunden, krankhaften Narzissmus erkennen. Kaum ein Motiv begleitet die Kulturgeschichte des Menschen so wie jene Sünde, welche die Griechen „Hybris“ (Machtgier, Selbstüberschätzung) nannten.
Wir leben in einer Zeit, die den öffentlich zelebrierten Egotrip regelrecht zum Programm erhebt. Das gilt für die Mächtigen, aber auch für den Einzelnen, der sein eigener Star sein darf auf Instagram oder Facebook oder als Chefpöbler in den Diskussionsforen.

Genau besehen, darf uns das nicht wundern. Denn wir erziehen uns selbst so, wie wir als Gesellschaft sind. Lernt man in der Schule etwa viel über Herzensbildung? Leider mehr über Selbstdarstellung per PowerPoint. Unterrichten die Wirtschaftsunis  Selbstreflexion und kritische Selbstanalyse? Mehr geht es um Durchsetzungskraft und Ich-Vermarktung.
Stehen Demut und Pflichtbewusstsein auf dem Lehrplan der Akademien? Zentral sind eher Rhetorikkurse und Manipulationstricks, dazu die richtige Körperhaltung beim Fotoshooting.
An all diesen Punkten wäre wohl anzusetzen, damit  „humanistische, ethische Bildung“ uns wieder den Dienst leistet, für welchen sie stets gedacht war: Erziehung zum Solidarischen Menschsein.

Wir Bewohner des 21. Jahrhunderts sind so reich und gebildet wie keine Gesellschaft vor uns. Aber wir sind in vielen Fällen zu Analphabeten des Herzens geworden. Und deshalb werden wir auch genau von solchen regiert.